Verantwortung.

Wer trägt eigentlich die Verantwortung mir mein Leben? Für das was ich tue und lasse?
Na klar: ich.
Ich ganz alleine? Niemand sonst? Warum?

Es gibt immerhin Faktoren, die ich gar nicht direkt beeinflussen kann. Mit wem ich verwandt bin, zum Beispiel. Ob jemand, dem ich vertraue, eine rote Ampel überfährt. Ob daraus ein Unfall entsteht.

Sobald es Interaktion mit anderen gibt, bin ich nur ein Teil der Gleichung und alle Teile beeinflussen sich gegenseitig. Auch hier bin ich für meinen Teil der Interaktion verantwortlich: was sage ich, was nicht und warum? Egal wie trainiert ich bezüglich Selbstbeherrschung und Kommunikation bin, es bleiben zumindest Grauzonen der Verantwortlichkeiten.

Ist volle Kontrolle über sich und seine Grauzonen erstrebenswert oder möglich?
Sind eigene Unachtsamkeiten gleich ein Verantwortungsmangel? Das sind Fragen mit denen sich ganz viele Menschen beschäftigen und ich weiß, dass ich die hier nicht im Alleingang klären werde.

Nun, wenn das mit der Selbstverantwortung schon grauzonig und schwierig ist, wie ist es dann, wenn Verantwortung für das Leben anderer dazu kommt? Als Mutter und Vater ist das so. Egal wie gut man sich vorbereitet, die Verantwortung hat das Potenzial dich vom Hocker zu reißen und dir den Boden unter den Füßen weg zu ziehen.
Plötzlich sind da Entscheidungen und Abhängigkeiten, dass es einem ganz schwindelig werden kann. Verantwortungen verschieben sich, Gefühle fahren Achterbahn und das Bedürfnis nach Sicherheit wächst auf allen Ebenen. Wenn Kinder dazu kommen, wird Klares plötzlich unklar und Gewisses ungewiss.

Wer steckt zurück?
Egal welche Entscheidung man wann trifft, irgendjemand verzichtet immer. Zahlreiche Gruppen konkurrieren darin Eltern gegen die Unsicherheit und das schlechte Gewissen (oder, positiv ausgedrückt: Für die Selbstsicherheit und ein gutes Gefühl) zur Entscheidungsfindung zu verhelfen. Jede davon mit eigenen Motiven und Ideen darüber was richtig und wichtig ist. Eltern haben die Wahl, wem sie zuhören und wessen Meinungen sie in welchem Bereich umsetzten. Daraus ergibt sich eine unendliche Vielfalt an Entscheidungen und Lebensführungen.

Da fängt die Verantwortung als Eltern, aber insbesondere als Menschen, an: Zu wissen was mir wichtig ist, wo ich mit meinem Leben hin will.
Weiß ich das nicht, dann werde ich zum Spielball. Ausprobieren was andere erzählen, um mich an mich selbst heranzutasten, um (mehr über) meine Grenzen und Bedürfnisse zu erfahren und vielleicht sogar um alles bisherige in meinem Leben in Frage zu stellen.

Kinder hören und sehen immer zu. Alles was die Menschen in ihrem Umfeld sagen und machen hat Einfluss auf sie, aber niemand kann wissen wie groß dieser Einfluss zu einem gegebenen Zeitpunkt ist. Jede Frage, die ich stelle, jeder Satz, den ich sage, jede Reaktion die ich zeige hat Auswirkungen auf sie. Welche Orte sie besuchen, welche Menschen sie kennenlernen. Das alles beeinflussen und entscheiden die Eltern eine sehr lange Zeit lang.
Wird man sich dieser großen, ein anderes Leben prägenden Verantwortung bewusst, kann das eigene Sein enorm in Frage gestellt werden. Wer bin ich und wer will ich sein? Wer kann ich sein? In welchem Maß ist Veränderung bei mir möglich? Will ich das überhaupt?

Die Fragen zu klären ist wohl die größte und schwerste Verantwortung. Es braucht sicherlich ein ganzes Leben und vermutlich ist die Antwort immer ungewiss.

Leichter wird es, wenn man sich nur auf sich selbst besinnt: was will ich und wie mache ich das möglich? Aber wenn man nicht mehr alleine ist, wie kann man sich das noch  beantworten? Nur, indem man sich wichtiger nimmt, als die Menschen um einen herum, auch, wenn es sich um die eignen Kinder handelt. Denn sobald die anderen wichtiger werden, stellt man sich andere Fragen und findet andere Wege, führt ein anderes Leben.

Was ist erstrebenswerter?
Das weiß niemand. Und vielleicht spielt es auch keine Rolle.
Vielleicht ist nur wichtig, dass man mit seiner Verantwortung leben kann.
Vielleicht ist wichtig, dass man vor lauter Verantwortungsbewusstsein nicht wie gelähmt in seinem Leben fest sitzt.

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